ein heilsamer Umgang mit den Herausforderungen dieser Zeit
Kampf der Gegensätze
Kampf der Gegensätze

Kampf der Gegensätze

Das Gefühl von Ungerechtigkeit, die mir und anderen zur Zeit widerfährt, ist momentan sehr stark in mir präsent.

Degradiert zu einer Minderheit in der Gesellschaft, angefeindet und verurteilt. Und das bloß, weil ich eine freie Entscheidung für mich getroffen habe.

Das alles macht mich sehr nachdenklich. Und es macht auch Angst. Angst vor einer Übermacht, vor einer um sich greifenden Meinungswelle, der ich nichts entgegenzusetzen habe.

Da tritt der Widerständler in mir auf den Plan. Er bäumt sich auf, reagiert mit Trotz und Ablehnung. Und er will kämpfen! Notfalls bis aufs Blut. Notfalls bis zur Zerstörung dessen, was ihn bedroht!

Eine lodernde Wut fließt durch meine Adern. Und die ewig unterdrückten und erstarrten Anteile in mir stehen endlich auf und schreien aus Leibeskräften. Sie schreien sich all den Frust, all die Demütigungen und all die Unterdrückung der Vergangenheit aus dem Leib. Und es tut so gut!

Erstmals kann ich diese Widerstände in mir in vollem Umfang wahrnehmen.

Natürlich sind sie immer schon in meinem Leben sporadisch präsent.

Wenn ich gegen Autoritätspersonen rebelliere.

Oder wenn ich mich von jemandem angegriffen oder abgelehnt fühle.

Wenn jemand eine andere Meinung hat als ich und ich die meinige Wahrnehmung bedroht sehe.

Dann hole ich die Waffen hervor. Dann erkläre ich den Krieg. Und dann kämpfe ich.

Und derjenige, den ich eben noch geliebt habe, wird zum erbitterten Feind.

Denn ich fühle mich verraten.

Und oft sind es vermeintliche Kleinigkeiten, die diese Reaktion in mir hervorrufen.

Endlich kann ich hinschauen. Endlich kann ich diese Widerstände annehmen und geschehen lassen.

Da ist so viel Krieg, den ich in meinem Leben geführt habe. Krieg gegen Kleinigkeiten. Und letztlich Krieg gegen mich selbst.

‚Das Leben ist ein Kampf’. Mit dieser familiären Überzeugung bin ich groß geworden. Ich muss also kämpfen. Jeden Tag. Um alles, was mir wert und teuer ist. Und jede potentielle Begegnung mit jemandem, jeder unvorhergesehene Moment, will mir grundsätzlich Schaden zufügen.  Puh.

Das muss erstmal sacken.

Vielleicht habe ich das über viele viele Leben hin tatsächlich tun müssen. Kämpfen. Oder es ist sogar ein Familienthema, ein Ahnenthema. Vielleicht wurde uns einst etwas genommen und wir haben ewige Rache geschworen? Und der Kampf dauert bis heute an. Und da der Feind nicht mehr auszumachen ist, müssen profane Dinge und Situationen herhalten.

Ich glaube, bislang bedeutete kämpfen für mich, wenigstens irgend etwas Sinnvolles zu tun!

Ja, wenn ich für Gerechtigkeit und gegen die Unterdrückung kämpfe – und sei es auch nur für mich oder in mir selbst – dann tue ich etwas Sinnvolles. Dann bin ich erfolgreich und anerkannt. Selbst wenn dies nur in meiner Innenwelt Anklang findet und für mein irdisches Dasein eher große Energieverluste bedeutet.

Doch gegen wen oder was habe ich bislang wirklich gekämpft??

Ich habe da so eine Ahnung…..

Ist es nicht mein Kopf, mein Verstand, der den Diktator in mir spielt?

Die Vorstellung, dass nur noch gemacht wird, was mir richtig erscheint, dass man mich wahrlich fürchtet und mir folgt, diese Vorstellung erfüllt mich mit Genugtuung. Sogar die Option für die Durchsetzung meiner Interessen zu töten.

Hat mein Verstand das über all die Jahrzehnte in mir getan? Unterdrückt und versucht zu töten? Mundtot zu machen?

Alles muss so laufen, wie er sich das vorstellt und für richtig befindet. Und all die anderen Anteile in mir, die das nicht mitmachen wollen, werden bedroht, fühlen sich bedroht oder gehen in den Widerstand.

Und ich wundere mich über die stete Unruhe in mir selbst. Wie kann ich in den Frieden kommen, wenn da ständig Krieg in mir herrscht?

Die Vorstellung, ein Diktator zu sein, ist großartig. Und doch fürchte ich gerade diese Diktatur und will sie bekämpfen.

Beides ist da. Beides ist in mir.

Und ist es nicht vielleicht genau das, was in allen von uns geschieht? Dass wir immer beide Seiten einer Medaille in uns tragen? Eine, die wir für richtig befinden, und die andere, die wir unterdrücken und verdrängen, weil sie uns falsch erscheint oder uns Angst macht.

Der Krieg wütet in uns.

Alles ist Dualität und scheinbar widersprüchlich.

Und wenn wir als Menschen nun an dem Punkt sind, wo wir beide Seiten in uns erkennen und annehmen dürfen? Darf nicht beides nebeneinander existieren? Weil es uns ausmacht?

Gut UND böse? Richtig UND falsch? Hell UND dunkel?

Unterdrücken wollen und unterdrückt werden?

Und löst dieses integrieren beider gegenteiliger Aspekte letztlich die Dualität auf? Weil wir in eine Mitte kommen? In die Ruhe? Weil dann alles ausgeglichen ist?

Gerade peitschen die Wellen in meinem Innern noch mal so richtig hoch. Und ein Feuersturm der Entrüstung und des Aufbäumens tobt in mir. Und all das darf da sein. Ich lasse es geschehen. Denn in diesem Moment kann ich all dem entspannt zusehen, in dem Wissen, dass es gut so ist. Weil ich weiß, dass nur die Annahme dieser Emotionen mich befreit.

Ich vertraue und gebe mich hin.

Lasse sie in mir kämpfen und lächle. 🙂

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