ein heilsamer Umgang mit den Herausforderungen dieser Zeit
Nähe – Distanz
Nähe – Distanz

Nähe – Distanz

Schon lange begleitet mich die Diskrepanz zwischen diesen beiden Themen.

Wieviel Nähe bin ich bereit zuzulassen?

Wieviel Nähe kann ich ertragen, die mich nicht zu ersticken droht?

Bei wieviel Nähe bekomme ich es mit der Angst zu tun?

Weil zu viel Liebe zu empfangen und zuzulassen unweigerlich dazu führen muss, dass ein möglicher Verlust mich umbringt.

Also schaltet das erlernte Muster in mir auf Abstand.

Auf Abwehr sogar. Ich kann in solchen Momenten mein Gegenüber regelrecht wegschubsen.

Nach dem Prinzip, wenn ich mich davon befreie, bevor ich verletzt werde, ist es um so besser.

Doch wieviel Distanz ertrage ich auf der anderen Seite?

Wieviel Abstand und Zeit für sich kann ich meinem Gegenüber eingestehen, ohne wiederum in Angst und Panik zu geraten?

Und wieder ist es die Angst vor dem Verlust!

Es ist wirklich spannend.

Normalerweise schreibt man in einer Beziehung den beiden Partnern je eines dieser Attribute zu.

Der eine, der festhält und der andere, der auf Abstand geht.

Beide aus dem gleichen Grund. Die Angst zu verlieren.

Und doch scheint beides in mir parallel vorhanden zu sein.

Und immer ist einer dieser beiden Anteile aktiv.

Und die erlernten Muster, um Schmerz, um diesen unstillbaren Liebeskummer zu vermeiden, laufen oft automatisch in mir ab.

Vor ein paar Jahren, bevor ich mir bewußt wurde, war es sogar so extrem, dass mir unter anderem deswegen eine Borderline-Diagnose gestellt wurde.

Ein Aufeinandertreffen der emotionalen Extreme: ich hasse dich – bitte verlass mich nicht.

Es ist immer wieder wie gegen eine Grenze (Border) zu rennen und nicht darüber hinaus zu kommen. Gefangen in einem ewigen Kreislauf aus Schmerz.

Doch was ist es fernab der menschlich erdachten Schubladen?

Woher kommt diese Verlustangst, die sich in einem Menschen in so unterschiedlicher Weise zeigen kann?

Ist es eine Urwunde?

Getrenntheit vom Sein? Abgeschnitten vom Göttlichen, vom Ursprung, von der Liebe selbst?

Als die Seelen einst das „Zuhause“ verließen?

Und dürfen wir es im Menschsein nun erlösen?

Indem wir immer und immer wieder damit konfrontiert werden?

Und womöglich erkennen dürfen, dass wir nie wirklich abgeschnitten wurden?

Dass Zuhause immer in uns selbst ist? Und die göttliche allumfassende Liebe immer da ist?

Doch wir suchen sie nach wie vor im Gegenüber.

Ob das der Partner ist oder ob es die Eltern sind, die Freunde, Haustiere, Geschwister….

Wir fühlen uns so schnell ungesehen und ungeliebt. Und rutschen in diese alten Muster aus festhalten wollen oder abstoßen, um den Schmerz des Verlustes zu minimieren beziehungsweise zu vermeiden.

Doch wenn jemand stirbt, wenn ein geliebter „Körper“, das irdisch greifbare eines Menschen, von uns geht, dann können wir nicht mehr ausweichen. Denn dann ist der Schmerz des Verlustes allgegenwärtig.

Deshalb fürchten wir den Tod so sehr!

Jedenfalls solange wir uns vom Sein abgetrennt fühlen.

Erst die Reise ins eigene Innere, kann dies verändern.

Das Zurückerlangen des Urvertrauens. Das Erspüren des Göttlichen in uns selbst.

Im Schamanismus heißt es, die Frau findet es in ihrem Schoßraum und der Mann in seinem Herzen. Und wenn wir uns damit verbinden und aus dieser Region unseres Körpers heraus leben können, dann können wir das Göttliche durchs Menschsein in die Welt tragen.

Und dort finden wir die Liebe und das Urvertrauen, die dazu nötig sind. Und die die Projektionen im Gegenüber und alle dazu erlernten Muster überflüssig machen.

Es bedeutet wieder mal über die menschliche, über die Ego-Ebene hinauszugehen.

Und der erste Schritt dazu ist mitten in die Angst zu springen und somit über diese Grenze zu gehen.

Borderliner. Grenzgänger.

Ich habe für mich beschlossen, diese Grenze immer wieder zu sprengen.

Darüber hinaus zu gehen und zu wachsen.

Und ich habe tatsächlich eine unendliche Liebe und Geborgenheit in meinem Schoßraum gefunden, die keinem Gefühl, das ein anderer Mensch mir je gegeben hat, gleichkommt.

So hoffe ich auf Dauer so viel Nähe zulassen und leben zu können, wie mir gut tut und mir und meinem Gegenüber so viel Distanz zugestehen zu können, wie nötig ist.

In dem Bewusstsein, dass Trennung und Verlust nur eine Illusion sind.

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